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Spezielle Probleme im Zusammenhang mit Gefahrstoffunfällen |
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Unfälle im Zusammenhang mit gefährlichen Gütern sind
gekennzeichnet durch eine drohende oder bestehende Emission möglicherweise
gesundheitsschädigender Substanzen, deren Identität darüber
hinaus häufig nicht von Anfang an zweifelsfrei geklärt ist. |
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Insbesondere bei einer akzidentiellen Emission in Zusammenhang mit
Bränden oder unkontrollierten chemischen Reaktionen muss primär
von einer nicht geklärten Identität der freigesetzten Substanzen,
und gleichzeitig von einem unkalkulierbaren räumlichen Ausbreitungsverhalten
ausgegangen werden. |
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Es besteht daher bei dieser Unfallkategorie stets die Möglichkeit
einer Folgegefährdung bis hin zur Entwicklung eines Grossschadensfalls
mit einer Vielzahl betroffener Personen. |
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Die Einsatzleitung sollte über folgende Kerninformationen
zu einem möglichst frühen Zeitpunkt verfügen: |
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Art und Menge freigesetzter gefährlicher Substanzen.
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Voraussichtliche Dauer einer zurückliegenden oder noch
anhaltenden Emission. |
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Ausbreitungsverhalten in bewohntes Gebiet. |
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Toxische Akut- und Spätwirkungen. |
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Ökotoxikologisches Verhalten. |
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Technische Erstmassnahmen (geeignete Auffangbehältnisse,
Neutralisationsmöglichkeiten, Lösch- und Bindemittel). |
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Geeignete Eigenschutzmassnahmen (Schutzanzüge). |
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Medizinische Erst- und Folgeversorgung. |
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Abgrenzung zu Giftinformationszentralen |
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Giftinformationszentralen sind darauf ausgelegt, innerhalb kurzer
Zeit kompetente toxikologische Beratung bei Vergiftungen (Medikamentennebenwirkungen,
Intoxikationen durch Haushaltschemikalien, Pestizide usw.) zu gewährleisten.
Immer steht dabei die spezifisch medizinische Behandlung einer Einzelfallvergiftung
im Vordergrund. Die Kompetenz der deutschen Giftinformationszentralen
für diese Aufgabe steht ausser Zweifel und wird durch die Einrichtung
von Meditox in keiner Weise berührt. |
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Meditox wurde als Expertensystem zum Management
von Gefahrgutunfällen optimiert: es ergeben sich hieraus
einige wesentliche Unterschiede zur Tätigkeit und Kompetenz der
Giftinformationszentralen: |
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Keine klinische Einzelfallberatung, keine Laienberatung. |
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Beratung durch speziell notfallmedizinisch ausgebildetes Personal.
Die Leiter des Systems sind ausnahmslos erfahrene Notfallmediziner
und selbst leitende Notärzte. Sie verfügen darüber
hinaus über langjährige Erfahrung als überregional
tätige Fachberater bei Gefahrgutunfällen. |
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Analytische Beratung, bei Bedarf eigene Analytik. |
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Abschätzung des Ausbreitungsverhaltens. Festlegung von
Gefährdungsbereichen in enger Kooperation mit der Einsatzleitung. |
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Sehr große rettungsdienst-logistische Kompetenz (Disposition
von Spezialkliniken, Antidotbeschaffung usw.). |
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Die genannten Aufgaben fallen nicht in die Tätigkeit
und Kompetenz der Giftnotrufzentralen, weil sie deren Auftrag nicht
entsprechen. |
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Erste Kontaktaufnahme |
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Mit dem zuständigen Disponenten wird im Dialogverfahren ein
vorbereitetes Notfallprotokoll bearbeitet, das die Informationsgrundlage
für Beratung und logistische Unterstützung bildet. |
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Parallel wird in jedem Fall einer der beiden ärztlichen Leiter
des Systems alarmiert; dieser nimmt mit einer Vorlaufzeit von etwa
15min telefonisch Kontakt mit der Alarmzentrale, und anschliessend
mit der örtlichen Einsatzleitung auf, um konkrete Probleme
im direkten Dialog erörtern zu können.
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Bei eindeutig geklärter Identität eines havarierten Gefahrguts
wird - sofern zu diesem Gefahrgut ein Datensatz vorhanden ist
- dieser innerhalb von 10min per Fax an die Einsatzleitung und
ggf. die zuständige Feuerwehr- bzw. Rettungsleitstelle versandt. |
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Erweiterte Beratung |
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Die Möglichkeiten einer erweiterten Beratung sollen beispielhaft
dargestellt werden: |
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Einzelrecherche |
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Keine noch so umfangreiche Datenbank kann Informationen zu
jedem denkbaren Gefahrgut bereithalten. |
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Sollte zu einer havarierten Substanz kein Datensatz oder Sicherheitsdatenblatt
verfügbar sein, steht den Fachberatern letztlich die gesamte
Weltliteratur zur Verfügung, um eine akute Einzelfallrecherche
durchzuführen. Die Rechercheergebnisse werden zu einem
Informationsdatenblatt von maximal zwei DIN-A4-Seiten in übersichtlicher
Form zusammengestellt und der örtlichen Einsatzleitung
per Fax zugeleitet; der erforderliche Zeitbedarf hierfür
kann nicht verbindlich präzisiert werden, beläuft
sich aber erfahrungsgemäss auf etwa 45 - 60min. |
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Kommunikation und Logistik |
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Sollte es zu einer grösseren Zahl behandlungsbedürftiger
Personen kommen, kann die Alarmzentrale der Deutschen Rettungsflugwacht
die örtliche Leitstelle bei der überregionalen Disposition
von Behandlungsplätzen unterstützen. |
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Umfangreiche Antidotanforderungen sowie der erforderliche
Transport können durch MEDITOX organisiert werden. |
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Die Information der Öffentlichkeit bzw. betroffener Wohngebiete
kann in Absprache mit der örtlichen Einsatzleitung durch
MEDITOX unterstützt bzw. organisiert werden (Erarbeitung
psychologisch und juristisch wasserdichter" Informationstexte,
Koordination regionaler Rundfunksender etc.). |
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Analytik |
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Insbesondere bei Sonderbränden ist das Spektrum freigesetzter
Substanzen erfahrungsgemäss auch für erfahrene Experten
nur schwer kalkulierber. |
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Erste einsatztaktische Entscheidungen sind mit ausreichender
Sicherheit durch die Detektion klassischer Leitparameter (Spürröhrchen,
Ex-Messung usw.) möglich; der Wert dieser Methoden zur
raschen Abschätzung typischer Gefahrenpotentiale steht
ausser Frage. Die tatsächliche Kritizität einer solchen
Situation ist jedoch nur dann abschliessend zu klären,
wenn die Gesamtheit freigesetzter Substanzen eindeutig identifiziert
wird. |
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Eine vollständige analytische Klärung bei unkalkulierbaren
Emissionslagen ist daher - gerade auch gegenüber der
Öffentlichkeit - unumgänglich. |
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MEDITOX betreibt zu diesem Zweck eine feste Kooperation mit
der Analytikgruppe der Berufsfeuerwehr Mannheim; diese verfügt
nicht nur über die notwendigen Experten, sondern auch über
modernste analytische Methoden wie Gaschromatographie und Massenspektrometrie.
Die Gewinnung geeigneter Gasproben erfolgt ähnlich wie
bei der Spürröhrchen-Methode auf gängige Adsorptionsmedien
wie Carbotrap oder Tenax-GC. |
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Die gewonnenen Proben können nach Mannheim transportiert,
dort innerhalb etwa 30min analysiert und durch die Fachberater
von MEDITOX interpretiert werden; bei komplexen Schadenslagen
ist es ebenso möglich, die komplett luftverlastbar ausgelegte
Analytik-Einheit an den Schadensort zu verlegen und engmaschige
Analysen vor Ort durchzuführen. |
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Ausbreitung |
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Neben der qualitativen Analyse bei einer Emission gesundheitsschädlicher
Substanzen ist es unumgänglich, den räumlichen Umfang
einer Gefährdung sicher abzuschätzen (Information
der Bevölkerung, ggf. Evakuierungsmassnahmen, Verkehrsumleitung,
Einrichtung von Kontroll-Messpunkten usw.). |
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MEDITOX betreibt hierfür das mikrometeorologische Rechenmodell
MET (Modell für Effekte toxischer Gase), mit dessen Hilfe
es möglich ist, die räumliche Ausdehnung einer Gefahrenlage
zu kalkulieren. Erforderliche Eingabeparameter sind die Identität
freigesetzter Substanzen, deren ungefähre Masse und die
aktuellen Wetterdaten, sowie seitens der MEDITOX-Datenbanken
die für die Ausbreitung und Gesundheitsgefährdung
relevanten physikalischen, chemischen und toxikologischen Daten. |
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Das Berechnungsergebnis wird der örtlichen Einsatzleitung
sowohl tabellarisch, als auch als graphische Ausbreitungskeule"
per Fax zugeleitet. |
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Kosten |
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Die Beratungstätigkeit von MEDITOX erfolgt kostenfrei. |
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Kommt es zu einer Einschaltung der MEDITOX-Analytik-Einheit (BF
Mannheim), so werden die hierdurch entstehenden Kosten feuerwehrintern
nach dem Verursacherprinzip abgerechnet. |
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Grundsätze von MEDITOX |
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Hintergrundberatung:
Die Beratung durch MEDITOX erfolgt aus dem Hintergrund per Telefon
bzw. Fax. Die örtliche Einsatzleitung wird somit nicht durch
Fachberater überrollt"; andererseits ist gewährleistet,
dass die MEDITOX-Fachberater über optimale Informationsressourcen
verfügen. |
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Direktionsrecht der örtlichen Einsatzleitung:
Die örtliche Einsatzleitung ist alleiniger Herr der Lage; die
Tätigkeit von MEDITOX erfolgt ausschliesslich in Absprache
und nach Massgabe der örtlichen Einsatzleitung. Dies betrifft
insbesondere auch die Weitergabe von Informationen an Presse und
Öffentlichkeit.
Speziell im wichtigen Segment der Betriebsfeuerwehren werden damit
Interessenkonflikte hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit MEDITOX
im Vorfeld verhindert.
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Expertenberatung:
Jeder Einsatz von MEDITOX - auch dann, wenn zunächst nur
eine Datenbank-Schnellauskunft erforderlich ist - führt
zu einer Alarmierung der leitenden Fachberater; hierdurch wird der
örtlichen Einsatzleitung grösstmögliche Flexibilität
für den Fall einer Änderung oder Eskalation der Schadenslage
gewährleistet. |
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Ansprechpartner |
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| Deutsche Rettungsflugwacht |
Dr. Dr. Alfred Reichert
Projektleiter MEDITOX
e-Mail: areichert@aol.com
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| Leitende Fachberater |
Dr. med. Dipl. Chem. Richard Spörri
Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal
Gutleutstraße 1-14,
76646 BRUCHSAL
Tel.: 07251 - 708-0
Fax: 07251 - 708 5424
e-Mail: Richard@spoerri.de
Roland Walther
Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal
Gutleutstraße 1-14,
76646 BRUCHSAL
Tel.: 07251 - 708 0
Fax: 07251 - 708 5424
e-Mail: walther@waltherweb.com
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Sozialministerium
Baden-Württemberg |
Medizinaldirektor Walter Fessel
Sozialministerium Baden-Württemberg
Schellingstrasse 15
70174 Stuttgart
Tel.: 0711 - 123 - 0
Fax: 0711 - 123 3997 |
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